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Archijeunes-Netzwerktagung am 21.11.2025
Bild-Tagebuch (Bild: Matteo De Mattia)

Kinder und Jugendliche verbringen einen Grossteil ihres Alltags in Schulhäusern, Schulzimmern, auf Schulhöfen und Schulwegen. Diese verschiedenen Schul-Räume prägen mit ihren Strukturen, Materialien und Atmosphären die Lehr- und Lernformen. 

Wie lässt sich Baukultur am eigenen Schulhaus erkunden? Wie können Erneuerungen von Schulhaus-Arealen für die Mitwirkung und die Gestaltung von schulischen Lernprozessen genutzt werden? Wie kann die (Weiter)Entwicklung von Lern-Räumen in die baukulturelle Bildung einfliessen? Die Archijeunes-Netzwerktagung 2025 in Bern hat sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt. 

Im Austausch zwischen Vertreter:innen aus der Welt der Bildung und dem Planungs- und Bauwesen wurde das Bewusstsein zu Schulhausarealen als Lernort und Lerngegenstand über Baukultur geschärft – auch um dieses in baulich-räumlichen Transformationsprozessen einbringen und anwenden zu können. An zwei Tagungs-Orten, der pädagogischen Hochschule Bern und der Munzinger und Pestalozzi Schule Bern konnten wir den "Kosmos Schulhaus" auch unmittelbar vor Ort und auf vielseitige Art und Weise erkunden. 

Tagungsbericht

 

Gemeinsam unterwegs im „Kosmos Schulhaus“ – wir blicken zurück auf einen reichen und vollen Tag, der uns auf vielfältige Weise aufzeigte: In jedem Schulhaus(areal) eröffnet sich bei genauerer Betrachtung ein faszinierendes Universum, in dem sich ganz viel über Baukultur lernen lässt. Das Einführungsreferat von Martin Viehhauser von der Uni Fribourg hat den Horizont weit geöffnet: "Raum als dritter Pädagoge" dezidiert ernst zu nehmen, heisst auch Kinder zum Erkunden von Welt und so letztlich zu "kosmopolitischen" Erfahrungen in ihrer unmittelbaren Umgebung, am eigenen Schulhaus, einzuladen. Die Sensibilisierung für Raum kann Schule so zu einem Ort werden lassen, der das Wohlergehen und Aufblühen von Kindern ins Zentrum des Handelns stellt. 

In Workshops wurden in der Folge konkrete Bildungs- und Mitwirkungsprojekte rund ums Schulhaus diskutiert, die eine solche Vision teilen. Barbara Windholz von LABforKids lud zur Raum-Wahrnehmung vor Ort ein und zeigte Umsetzungsmöglichkeiten baukultureller Bildung an Schulhäusern auf. Mit Judith Prossliner von den Baupiloten Innsbruck konnten die Teilnehmenden erproben, wie partizipative Zugänge die Entwicklung von Schulhäusern als atmosphärischen Lern- und Lebensräumen fördern – und was dabei berücksichtigt werden sollte. Cléolia Sabot und Florence Godoy von der Uni und Stadt Lausanne richteten auf der Grundlage eines gemeinsamen Forschungsprojekts den Blick auf Pausenplätze. Sie diskutierten, wie sich hier Gender-Ungleichheiten bemerkbar machen und wie Inklusion (besser) gelingen kann. Und Sarah Ryser und Elisabeth Jahnke von der PH Bern berichteten schliesslich, wie sie angehende Lehrpersonen in einem Kurs zur baukulturellen Bildung für die Relevanz der gebauten Umwelt sensibilisieren – und veranschaulichten dies auch gleich auf einer Führung auf dem VonRoll Areal der pädagogischen Hochschule. 

Auf Youtube anschauen
(Bild: Fiona Hager | Archijeunes )

Falls Sie die Tagung verpasst haben oder bestimmte Inhalte noch einmal ansehen möchten, stehen Ihnen auf YouTube Videos zur Verfügung. Dort können Sie die Vorträge und Diskussionen in voller Länge anschauen und erhalten Einblicke in die Workshops. Viel Vergnügen!

Angeregt von den Workshops vertieften zwei Vorträge zentrale Aspekte bei der Betrachtung von Schulräumen als Lerngegenstand: Zoé Moody von der Uni Lausanne reflektierte – am Beispiel eines Forschungsprojekts zu Schulwegen als dritten Orten – über methodische Zugänge und Anforderungen in Partizipationsprozessen mit Kindern und Jugendlichen. Rainer Nagel von der Bundesstiftung Baukultur aus Berlin legte anhand zahlreicher Beispiele anschaulich dar, wie die Klimakrise und Fragen der Nachhaltigkeit das Baukultur-Schaffen – und entsprechend auch die Bildung darüber – komplett transformieren (müssen). Vor diesem Hintergrund stellte er auch das "Schulbuch Baukultur" der Bundesstiftung vor, das dieses Thema für den Schulunterricht aufbereitet hat.

Am nachmittag begaben wir uns zu zwei Schulhäusern in Bern: dem Schulhaus der Mosaikschule Munzinger (3. Zyklus) und der Pestalozzi Schule (1. und 2. Zyklus). Zum Empfang haben uns die Schulleitenden Giuliano Picciati und Diana Bütikofer spannende Details zur Geschichte und dem Modell ihrer Schulen erzählt – und legten damit eine gute Basis für die darauf folgenden Erkundungstouren durch die beiden benachbarten Areale. Mit Ueli Vogt vom BÜROfürBAUKULTUR arbeiteten die Teilnehmenden an einer Wahrnehmungs-Landkarte – und machten sich dazu auf Spurensuche nach Formen, Farben, Figuren, Materialien und Oberflächen in den beiden Schulhäusern. Céline Bachmann, Denise Haschke, Olivia Krummenacher und Stefanie Kocherhans – alle Student:innen im Fachdidaktikmaster TTG Design an der PH Bern und daneben als Lehrerinnen, Künstlerin oder Hochschuldozentin tätig – haben sich von Jan Eggers Buch "Häuser machen Schule" inspirieren lassen. Bei den Schulhaus-Besichtigungen luden sie ein über Fragen rund um die Themen "Schule als Ort der Sozialisierung", "Architektur als pädagogisches Medium", "deontische Macht" und "historische Entwicklungen" nachzudenken.  

Darauf folgte eine von Archijeunes-Vorstandsmitglied Claudia Schwalfenberg mit viel Witz moderierte Podiumsdiskussion in der Munzinger Aula mit den Gästen Giuliano Picciati (Schulleiter Munzinger), Hanspeter Marmet von Rykart Architekten, Eva Herren von GWJ Architektur und Isabelle Dietrich von Lernraumplanung und dem Netzwerk Bildung & Architektur. Grundlage für das Gespräch bildeten die konkreten Erfahrungen mit der Schul- und Lernraumentwicklung im Quartier – und zwar vom Umbau des Munzinger Schulhauses (Rykart Architekten) und der aktuellen Neubauplanung der Weissenbühl Schule (GWJ Architektur). Diese wurden als Anlass genommen, um über grundlegendere Fragen zu diskutieren, welche Räume die Schule von heute und morgen denn braucht und wie die Nutzer:innen und Schüler:innen in diesen Planungsprozessen beteiligt und miteinbezogen werden können. Ein Thema zu dem Input-Geber:innen am vormittag einen wunderbaren Boden gelegt haben, was in die Diskussion ebenfalls mit aufgenommen werden konnte.

Es waren viele Fäden, die an dieser Tagung aufgespannt wurden. Cornelia Dinsleder von der PH Luzern hat diese zum Schluss in eine feine Synthese verwebt.

Für all die klugen Beiträge und die vielen schönen Begegnungen und Gespräche danken wir von Herzen. Ein besonderer Dank geht an die PH Bern und an die Munzinger & Pestalozzi Schule Bern für ihre Gastfreundschaft.

Programm

Ab 09.15 Ankommen (Kaffee im Foyer des FAB 8)
09.45 – 10.10 Begrüssung & Warm-Up /  Eveline Althaus & Andri Gerber, Archijeunes (Galerie FAB 6)

10.10 – 10.30 Raum als dritter Pädagoge und der «spatial turn» im schulischen Lernen / Martin Viehhauser, Universität Freiburg

10.30 – 11.40 Bildungs- und Mitwirkungsprojekte rund ums Schulhaus – Vertiefung in Gruppen 

  • Partizipation bei Schul(um)bauten aus Architektur- und Planungssicht / Judith Prossliner, Baupiloten Innsbruck / AT
  • Préaux en tous genre (Schulhöfe aus gendersensibler Perspektive) / Florence Godoy, Déléguée à l’enfance de la Ville de Lausanne & Cléolia Sabot, Université de Lausanne
  • In der Lehrer:innen-Bildung für (Lern)Räume sensibilisieren: Baukulturelle Bildung am Beispiel des von Roll Areals / Sarah Ryser & Elisabeth Jahnke, PH Bern
  • «Unser Schulhaus» – Baukulturvermittlung für Schüler:innen / Barbara Windholz, LABforKids, Zug

11.45 – 12.30 Schulräume als Lerngegenstand 

  • Le chemin de l’école – un tiers-lieu d’apprentissage par et pour les enfants (Der Schulweg als dritter Lernort durch und für Kinder) / Zoé Moody, Universités de Genève & Lausanne
  • Das Schulhaus als baukultureller Lernraum / Reiner Nagel/ Katharina Stahlhoven, Bundesstiftung Baukultur/ DE

12.30 – 13.30 Mittagessen (Foyer FAB 8)

13.30 – 14.00 Spaziergang von der PH zu Berner Schulhäusern 

14.00 Willkommen im Munzinger & Pestalozzi Schulhaus / Bern Mattenhof-Weissenbühl / Diana Bütikofer, Schulleiterin Pestalozzi & Giuliano Picciati, Schulleiter Munzinger

14.30 –16.00 Schulhaus – Erkundungstouren in Gruppen mit 

  • Céline Bachmann, Denise Haschke, Olivia Krummenacher & Stefanie Kocherhans, Studentinnen Fachdidaktik TTG-Design, PH Bern
  • Ueli Vogt, BÜROfürBAUKULTUR, St. Gallen

16.15 – 17.15 Podiumsgespräch: Räume für die Schule der Zukunft entwickeln im Bestand und Neubau – mit Beispielen aus dem Quartier

  • Isabelle Dietrich, Lernraumplanung & Netzwerk Bildung & Architektur
  • Eva Herren, GWJ Architektur – Neubau-Planung Volksschule Weissenbühl
  • Hanspeter Marmet, Rykart Architekten –Umbau Munzinger Schulhaus
  • Giuliano Picciati, Schulleiter Mosaikschule Munzinger
  • Moderiert von Claudia Schwalfenberg, SIA Schweiz & Vorstand Archijeunes

17.15 – 17.30 Synthese & Reflexion / Cornelia Dinsleder, PH Luzern
Abschluss & Dank / Eveline Althaus & Andri Gerber, Archijeunes

Ab 17.30 Apéro in der Aula des Munzinger Schulhauses